Die SPÖ-Frauen haben der Chefin der HOSI Salzburg, Conny Felice, den Johanna-Dohnal-Anerkennungspreis verliehen. Das steht ihnen natürlich frei. Es ist allgemein erfreulich, wenn die Leistung für eine Sache vor den Voraussetzungen der Personen steht, und ich möchte Frau Felice hier auch dazu gratulieren.
Dennoch bleibt ein Nachgeschmack, eben weil es die SPÖ-Frauen sind und Conny Felice eine trans Frau ist. Wir erinnern uns daran, wie die SPÖ-Frauen in der Vergangenheit im Hinblick auf traditionelle Geschlechterrollen von (biologischen) Männern agiert haben. Seit jeher ist die Grundlage jeder normativen Geschlechterrollenverteilung die einfache Zuteilung: Frauen bekommen und kümmern sich um die Kinder, während Männer sich um die Sicherheit kümmern und Soldaten werden. Der Beruf des Soldaten war daher in den letzten 2000–3000 Jahren eine Männerdomäne; eine Wehrpflicht gilt in Österreich und mehrheitlich auch global nur für Männer, und es herrscht ein gesellschaftlicher Konsens darüber, dass sich in einer heterosexuellen Paarbeziehung im Gefahrenfall der Mann vor Frau und Kinder stellt. Obwohl moderne Waffentechnik körperliche Unterschiede weitgehend ausgleicht, ist das bis heute so.
Die SPÖ-Frauen haben in den letzten 25 Jahren aktiv zu verhindern versucht, dass sich daran etwas ändert. Als das Verteidigungsministerium im Jahr 1999 unter dem damaligen Minister Werner Fasslabend (ÖVP) Frauen die Möglichkeit zum freiwilligen(!) bewaffneten Dienst im Bundesheer geben wollte, versuchte sich die damalige Frauenministerin Barbara Prammer – bis heute eine Ikone der SPÖ-Frauen – dagegen zu stellen.
[i] Im April 2025 hat Erich Cibulka, der Präsident der Österreichischen Offiziersgesellschaft, die Wehrpflicht auch für Frauen ins Gespräch gebracht.
[ii] Die derzeitige Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) lehnt diesen Vorschlag bis heute vehement ab.
[iii] Die Argumente sind seit 1999 dieselben: Frauen seien noch nicht gleichberechtigt genug. Ein schwaches Argument, wenn man bedenkt, dass die Ungleichheit von Frauen auch auf einem gewissen sozialen Zusammenhalt unter Männern beruht und dieses Gemeinschaftsgefühl eben auch durch das gemeinsame Dienen beim Bundesheer erzeugt wird.
[iv] Dass Frauen noch nicht gleichberechtigt sind, ist ein Argument für eine Frauenwehrpflicht und nicht dagegen.
Die Vergabe eines Frauenpreises an eine trans Frau durch die SPÖ-Frauen in der derzeit laufenden Wehrpflichtdebatte hat eine starke Symbolwirkung. Wie eine Anfrage durch den Chef des NEOS-Parlamentsklubs, Yannick Shetty, ergeben hat, sind trans Frauen nämlich aufgrund ihres Geschlechterwechsels – anders als andere biologisch männliche Personen – nicht wehrpflichtig.
[v] Meine eigene Anfrage beim Bundesministerium für Landesverteidigung hat ergeben, dass es auch keine expliziten Regelungen dazu gibt, ob und wie schwule Paare mit Kindern ihren Versorgungspflichten nachkommen können, wenn beide Elternteile aufgrund ihres Geschlechtseintrags wehrpflichtig sind.
[vi] Diese Rechtslage erinnert an konservative/patriarchale politische Situationen wie im Iran oder Thailand – letzteres hat erst 2024 die Homo-Ehe eingeführt
[vii] -, die lieber den Umfang des Begriffs „Frau“ erweitern würden, als den normativen Anspruch an Männer fallen zu lassen.
Wenn so etwas von Frauenseite kommt, wird es im politischen Jargon "Gatekeeping" genannt. Bei den SPÖ-Frauen mögen die individuellen Gründe vielfältig sein, aber bei trans Frauen kommt der Wunsch, die Geschlechterrollen der Frau stabil zu halten, aus der Notwendigkeit externer Validierung. Nur wenn die Geschlechterrollen von Frauen möglichst eng an biologische Frauen gebunden bleiben, kann man sich durch das Ausüben einer solchen Rolle mit biologischen Frauen gleichmachen. Die Angst vor dem Aufbrechen der Geschlechterrollen stand daher in den frühen 2010er-Jahren am Anfang neuerer transaktivistischer Bewegungen, wie die Anfeindungen von trans Frauen gegenüber schwulen Männern in sogenannten "Frauenkleidern" zeigen.
[viii] Ich werde selbst immer wieder Opfer von Anfeindungen durch trans Frauen, die mir das Gender einer Frau, d. h. die soziale Rolle einer Frau, absprechen – auf der Basis, keine trans Frau zu sein.